Sonntag, 8. April 2018

Erster Tag im Wachstadium

Ich hatte sehr gut geruht. Das WBF Hotel ist super. Schöne Zimmer, gute Lage und ein großartiges Frühstück. Das fällt in Japan sehr herzhaft aus. Es gibt verschiedene Gemüse, Rinder-Curry und ein kleine Auswahl westlicher Speisen (Croissants, Toastbrot und dergleichen). Wir entschlossen uns, mit dem Zug nach Himeji zu fahren. Dort steht eine weiße Burg, welche komplett aus Holz gebaut ist. Schon bei der Planung sprach ich davon, dass es eine Art Neuschwanstein Japans sei. Tatsächlich war ich erst kürzlich auf der Internetseite von Schloß Neschwanstein und war sehr überrascht, zu sehen, dass beide Schlösser eine Partnerschaft geschlossen haben. Beim Überqueren der Brücke zum Tor warf ein Junge immer wieder Brotstücke in den Burggraben. Wir blickten interessiert hinunter und sahen eine Unmenge hungriger Karpfen. Leider begann dieses Jahr die Kirschblüte bereits zwei Wochen früher, so dass nur noch wenige Bäume weiße Blüten tragen. Dennoch vermag die Landschaft auch so zu überzeugen. Beim Weg nach drinnen mussten wir wie oft üblich in Japan, die Schuhe ausziehen. Innen ist es nicht überragend schön. Es hat keine Möbel oder irgendwelchen Zierrat. Später verließen wir die Burganlage und setzen uns draußen auf eine Bank. Ein alter Japaner kam auf uns zu und fragte, woher wir seien. Deutschland war die Antwort und er sprach sogar ein paar Brocken deutsch. Er meinte viele alte Japaner sprechen deutsch, was auf den zweiten Weltkrieg zurück zu führen sei. Wir unterhielten uns ein wenig und er gab uns Tipps, wohin wir in Himeji noch gehen könnten. Insbesondere hob er eine Skulptur mit Koikarpfen hervor, von wo aus man die Burg gut sehen könne. Also nichts wie hin. Quasi daneben hatten sich junge und alte Japaner mit grünen Jacken versammelt. Eine Frau mit einem Tablett und vier Pappbechern kam auf uns zu. Keiner von uns hatte zuvor etwas von Kambutsue gehört. In dem Bechern war Amacha, ein Tee aus fermentierten Hortensienblättern. Er schmeckte sehr süß. Was wir auch nicht wussten war, dass die Frauen und Männern verschiedenen Alters Buddhisten waren. Umso lustiger war die Reaktion, als ich vor dem Trinken des Tees in die Runde eine erst heute gelernte Vokabel sagte: Kanpai! Also Prost. Die Frau mit dem Tablett lachte herzlich. Schließlich wusste ich nichts von der Bedeutung des Tees. Eine weitere Frau kam dazu und überreichte uns kleine verpackte Süßigkeiten. Sie führten uns zu ihren aufgebauten „Schreinen“. Eines war ein großer Porzellanelefant, welcher eine kleine Buddhafigur trug und das andere war wichtiger, nämlich eine viereckige mit Amacha gefüllte Wanne, in der Mitte eine Buddhafigur auf einer Insel stehend und darüber ein Dach. Im Amacha war ein Löffel, mit dem die Dame die Flüssigkeit über den Buddha ergoß. Sie animierte uns dies auch zu tun. Also los. Danach sagte sie, dass es bei der Geburt Buddhas süßen Regen gegeben habe. Heute war also Weihnachten für Buddhisten. Unser Handeln erfreute die anderen Buddhisten derart, dass sich ein Halbkreis um uns bildete, bei dem sich alle vor uns verbeugten (Gruß, Dank, Anerkennung, etc. zum Verbeugen schreibe ich mal extra was). Das war wirklich ein erhebendes Gefühl und alles andere als plasphemisch, weil ich weiß, dass mein Gott mir das schon verziehen hat. Auf dem Weg in die Stadt Himeji konnte ich die anderen nicht davon überzeugen, die längste Hängebrücke der Welt (nicht die Golden Gate) nach Hawaji aus der Nähe zu betrachten oder gar darüber zu fahren und auf die Insel zu gehen, auf welcher die berühmten Koberinder gezüchtet werden. Anstatt dessen waren wir in die Stadt Kobe gefahren und sind mit der Seilbahn auf den Berg Maya gefahren. Ganz schön kalt dort oben. Der ursprünglich Plan war es, vom Bahnhof aus direkt dort hin zu laufen. Auf der Karte sieht das sehr nah aus. Allerdings hinderte uns ein Bahnmitarbeiter daran, indem er uns fragte, wohin wir gehen wollten. Tatsächlich wäre es ohne Bus eine knappe Stunde Fußmarsch geworden.

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