Sonntag, 5. April 2015

Westaustralien

Alle Welt denkt bei Australien an Sydney, Kängurus, usw.. Ich auch und dennoch buchte ich letzten November einen Flug nach Western Australia. Ich möchte mal abseits der Touristenmasse unterwegs sein. Ob sich das lohnt oder nicht, sehen wir bald. Zumindest der Flug war günstig. Sonntagmittag packte ich meinen Koffer, weil ich bis Donnerstag arbeitete. Als erstes schaute ich mir das Wetter im Internet an. Ich war leicht erschrocken, als ich las: 22,7 °C. Allerdings folgte gleich die Erleichterung, als ich die Mehrtagesansicht aufrief. In der Spitze geht es Mittags auf 30 °C hoch. Es wurde mir anfänglich also die Nachttemperatur angezeigt... Und jetzt bin ich in Perth. Einem Ort, der mir aus zwei Gründen gefällt: Erstens gibt es dort keine Sommer- und Winterzeitverschiebung und zweitens ist der Busverkehr im Stadtzentrum überwiegend gratis. Ein paar Worte zum Flug. Insgesamt sind es fünf Einzelflüge, welche mich hin und zurück bringen. Es ging von Stuttgart über Abu Dhabi (Air Berlin) nach Perth (Etihad). Zurück geht es zusätzlich noch über Phuket (Virgin Australia). Am Karfreitag um die Mittagszeit begann die Reise. Mein Platz war beim ersten Flug sehr weit vorne in der Economy. Der Airbus A320 war links und rechts mit drei Sitzen bestuhlt. Ganz links saß ein Unternehmer aus Herrenberg. Zwischen uns saß ein 25-jähriger Beamter aus Bruchsal. Jeder hatte sein Ziel. Der Unternehmer hatte vor drei Jahren eine Firma gekauft, die Geräte für die sonare Zerstörung von Nieren-und Gallensteinen herstellte. Er musste weiter nach Manila, weil er dort das komplexe Gerät präsentieren und in Betrieb nehmen wird. Sein Mitarbeiter habe es am Vorabend eingecheckt. Er hofft, dass zwischendrin das Gepäck nicht ausgeladen wird. Das sei ihm schon einmal so gegangen. Als Diplomphysiker erkläre er dem Zoll dann regelmäßig irgendwelche Belanglosigkeiten, weil die Details verstehe sowieso nur der Profi. Es ist schier unglaublich wie wortgewaltig er von seinen Reisen erzählte – fast volle sechs Stunden. Spannend war jedoch seine Aussage zum A320. Das ist ein Kurzstreckenflugzeug, der von Stuttgart nach Abu Dhabi eigentlich vergewaltigt werde, weil seine Reichweite vollgetankt nur so gerade reicht. Er meinte hinwärts ist es wegen der Jetstreams nicht von Belang. Aber zurück habe er es bereits erlebt, dass in Budapest zum Tanken zwischengelandet wird, weil die Kiste vollgeladen und mit Gegenwind sonst nicht ankommt. Da freue ich mich schon drauf… Wir kamen fast eine Stunde vor der Zeit in Abu Dhabi an, weshalb der Beamte meinte, dass er Hunger habe und die Pause zum Essen nutzen wolle. Ich ging mit und so erzählte er von seinem Reiseziel. Er werde in Neuseeland seinen Bruder besuchen. Der ging für ein halbes Jahr dorthin, weil danach sein Studium beginnt. Die Wartezeit (nicht aufs Studium, sondern auf den Weiterflug) verging im Gespräch sehr schnell. Der Flieger nach Perth war nur zur Hälfte voll, so dass bei einer Bestuhlung links zwei, Mitte vier, rechts zwei viel Platz blieb. Dieses Mal saß ich fast ganz hinten links. Zwei Plätze für mich allein. Das war auch nötig, weil allmählich die Erschöpfung einsetzte. Etihad ist sehr gut. Die Verpflegung ist lecker und man reicht viel zu trinken, was bei der trockenen Flugzeugluft auch nötig ist. Zehn ein halb Stunden dauerte der Abschnitt. Kurz vor der Landung musste man ausführliche Zoll- und Einreiseformulare ausfüllen. Fast so schlimm wie nach Amiland. Später dann beim Zoll musste man all sein Gepäck auf einer Fläche mit zwei, drei anderen abstellen und dann schnupperte ein Hund daran, ob Lebensmittel eingeführt werden oder andere verbotene Substanzen. Ansonsten sind die Australier sehr freundlich. Auf dem Weg zum Bus in die Stadt muss man einen Terminalverbindungsbus zuerst benutzen. Sogleich kam ein älterer Herr im postgelben Jacquete und fragte mich auf englisch, wohin ich wolle. Ich nannte die Straße und die Unterkunft und er zückte einen kleinen Stadtplan, zeichnete die Verbindungen und Linien, den Preis und die Ausstiegshaltestelle ein. Den Plan gab er mir mit und fragte zum Schluss noch „doitsch?“. Ich sagte ja, woraufhin er mit „Willkommen!“ antwortete. Ich bedankte mich und machte mich auf den Weg in die Stadt. Der Flughafen ist groß, aber das direkte Umfeld nicht sehr elegant. Es klappte alles wie am Schnürchen. Ich bezog mein Zimmer, das ich vier Tage bewohne und ging in die Stadt. Bzw. da war ich schon, weil ich ziemlich mitten im Hauptgeschehen unterkam. Das hat viele Vorteile, aber leider einen Nachteil: der Verkehrslärm ist hörbar. Das Hotel ist das kleine Gebäude unterhalb des Bankturms. Beim Landeanflug konnte ich schon sehen, dass es aber noch viele schmucke Stadtteile gibt. Mit vielen Einfamilienhäuser und alle haben einen Pool. Nun ist der erste Tag vergangen und ich konnte noch nicht feststellen, dass die Stadt besonders teuer ist. Warten wir mal ab, was ich morgen an Ostern meine. Glücklicherweise wertete der australische Dollar zum Euro nicht so stark auf, wie der US-Dollar. Die Vegetation ist wunderschön. Viel artenreicher als bei uns, wo vieles sehr mono wirkt. Es sind ca. 500 Meter zum Swanriver, wo ich mal joggen will. Von dort aus gibt es auch eine Fähre zur Rottnest-Insel. Perth erinnert mich ein wenig an ein britisches San Francisco mit Zügen von Washington.

2 Kommentare:

  1. Nur so, ich lese schon länger, aber jetzt komme ich erst zum Kommentieren. Ich mag deinen Reiseblog!

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  2. Oh danke schön, das freut mich! Wenn ich zurück bin, schaue ich mir gerne auch die Bilder von Eurer Kubareise an.

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