Samstag, 11. April 2015
Ein Leben auf der Überholspur
Am Donnerstag fuhr ich mit dem Mietwagen über 300 Kilometer in den südwestlichsten Zipfel Australiens, nach Augusta. Auf der Fahrt regnete es unaufhörlich. Für heute Nacht ist eine Wetterwarnung für Perth ausgesprochen worden. Wind bis 100 km/h wird erwartet. Gegen Wochenende wird es besser. Ich übe derweil das Autofahren. Mittlerweile verwechsle nicht mehr so oft den Scheibenwischerhebel mit dem Blinker. Ein wenig mitdenken muss man schon beim Linksfahren. Der Mitsubishi Lancer kann richtig was. Er ist halbwegs geräumig und macht eine gute Figur auf der Straße.
Der Regen nervt. Um das Trocknen der Brille zu vermeiden trug ich die letzten zwei Tage vergeblich Kontaktlinsen. Und heute wo der Regen kam natürlich die Brille.
Im Prinzip machte ich heute nichts außer Fahren und Essen. Am späten Nachmittag checkte ich in der Jugendherberge ein. Wie eigentlich jedes Mal bei Jugendherbergen eine gute Adresse. Im Stil eines englischen Landhauses bietet man hier Doppelzimmer und Betten im Schlafsaal an. Ich buchte ein Bett im Schlafsaal. Es sind drei Doppelstöcker und ein gewöhnliches Bett. Ich hatte die Wahl, weil nicht ein anderer Mensch sich im Schlafsaal einbuchte. D.h. ich habe zum Schnäppchenpreis ein Einzelzimmer bekommen. Aber wohin sind all die anderen? Die Antwort gab mir eine Australierin, die mit ihrer Freundin im Frauenschlafsaal untergebracht ist. Sie meinte, die ganzen Backpacker wären zwischenzeitlich Richtung Norden aufgebrochen, was ich nächste Woche ebenfalls tue. Sie kommt ursprünglich aus Wales, lebt aber seit nun zwölf Jahren in Australien. Sie sagte, dass sie in England keine Perspektive für sich sah. Wer dort nicht in Geld geboren werde, werde es auch zu nichts bringen. Hier sei das anders.
Ich entgegnete, dass im Herbst von Norden der Regen komme. Sie meinte, das stimmt, aber nur für ca. 2 Stunden am Tag. Dann wird der Himmel schwarz und es regne monsunartig. Danach ist alles wieder normal.
Sie arbeitet in der Nähe von Darwin in einer Eisenmine von Rio Tinto. In zwei Wochen wird dort 190 Stunden! gearbeitet und danach hat man eine Woche frei. Daneben habe sie drei Wochen Urlaub im Jahr. So komme man dort selbst als Ungelernter auf einen stolzen Verdienst. Die Frage, ob sie jemals wieder in Wales leben wolle, verneinte sie. Später kamen noch zwei Pärchen in den Aufenthaltsraum, aber mehr Menschen sind zur Zeit nicht hier. Am nächsten Tag schaute ich mir den Cape Leeuwin Leuchtturm an. 40 Meter hoch…
Das Wetter ist noch leicht wechselhaft. Zwei Stunden später bereits blickte entlang der Küste gelegentlich die Sonne durch.
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Immerhin sind die Farben auf dem letzten Bild herrlich! Wenn es so viel regnet, kannst du im Zweifel in ein Museum gehen, oder? Oder deine Regenjacke anziehen.
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