Samstag, 22. Juli 2023

Von Porto nach Coimbra

Den letzten Tag in Porto verbrachten wir mit Frühstücken und gemütlichem Kofferpacken. Ein Vesper musste gemacht werden, weil wir vor Ort keinen Mietwagen wollten. Die großen Städte haben einen guten Nahverkehr. Ähnlich wie in unseren Städten gibt es enorm viele Baustellen im Weg, denn auch Portugal erneuert und baut aus. In der Altstadt von Porto stehen überall Säulen mit Lasermessgeräten, die auf verschiedene Gebäudeecken zielen. Viele Baustellen gehen in die Tiefe. Morgens und Abends bekamen wir im Zimmer Erschütterungen mit, die hintereinander laute Knallgeräusche verursachten. Wir vermuten es könnten Sprengungen gewesen sein. Mit der S-Bahn ging es raus zum Bahnhof. In der Schalterhalle war ein Sicherheitsmann einer privaten Gesellschaft. Das sieht man hier an sehr vielen Orten. Ein wilder Hund lief herein, da musste der Wachmann gleich eingreifen. Wir waren gut in der Zeit, so dass wir ohne Eile zum Bahnsteig laufen konnten, wo der Zug bereits 15 Minuten vorher wartete.
Die Fahrt kostet gerade mal 18 Euro und man hat großzügige Sessel und sogar elektrische Rollos an den Fenstern. Mit uns fahren vom Hören her ein paar Italiener, Franzosen einige Amerikaner und ein paar Deutsche. Der Schaffner wollte nur die Ausweise sehen. Das Ticket mit Reservierung war auf seinem Lesegerät hinterlegt. Unmittelbar nach Porto schlichen wir mit 30 durch eine große Baustelle. Später ging es 50 Meter vom Atlantik entfernt weiter und wir beschleunigten auf holpigen Gleisen auf bis zu 220 km/h. Kaum ausgestiegen musste die mitreisende Person noch mal zurück in den Zug, weil sie ihren Hut vergessen hatte. Das ging recht fix, der Schaffner signalisierte dem Zugführer, dass er noch kurz warten möge. Kurz darauf fuhr der Zug weiter. Doch bereits nach 50 Meter hielt er an. Wir fragten uns, warum. Da öffnete sich plötzlich eine Waggontüre und eine vierköpfige Familie mit Gepäck stieg aus. Das Zimmer in Coimbra konnten wir bereits um 13:30 Uhr beziehen. Wir stellten uns in der Schalterschlange für Bahntickets an, weil für den Nahverkehr kein Automat ersichtlich war. Nach fünf Minuten waren wir dran. Parallel hatte die mitreisende Person auf dem smartphone die Bolt App installiert und herausgefunden, dass wir für 3 Euro zur Unterkunft gefahren werden könnten. Genau in dem Moment als wir dran waren kam diese Info. Ich blickte den Bahnbediensteten an und winkte ab. Wir liefen raus und buchten eine Fahrt mit Mohammad. Er betreibt diesen privaten Fahrdienst hauptberuflich. Ich fragte, wie lange er an einem Tag im Einsatz sei. Er meinte ca. zehn Stunden. Weil in dieser Unistadt gerade Ferien sind, ist es ruhiger. Er ließ uns vor dem nahegelegenen Hotel Oslo aussteigen. Wir standen solange davor, dass es drinnen einem Bediensteten komisch vorkam. Leider mussten wir ihm sagen, dass wir nicht dort nächtigen werden. Er zeigte uns den Weg und sagte, wir sollen warten. Er hatte ein Werbeprospekt mit dem Hotel herausgebracht und meinte, oben sei eine tolle Bar auf dem Dach. Leider gingen wir dort nicht mehr hin. Als wir in der Unterkunft ankamen wurden wir freudig empfangen geheißen und darauf hingewiesen, dass die nächsten drei Tage Mittelalterfestival ist. Wir nahmen uns das für morgen vor. Coimbra ist sehr hügelig. Es ist ein ständiges auf und ab. Wir kauften Tickets für die Bibliothek Joanina und die Universität. Es gab eine Chemieabteilung und ein Kuriositätenmuseum. Beides riss einen nicht ganz vom Hocker. Toll war der Turm des Hauptgebäudes.
184 Stufen und man konnte eine unvergleichliche Sicht auf die Stadt genießen. In der Bibliothek durfte man leider nicht fotografieren. Wir liefen danach durch den botanischen Garten, der sehr sehenswert ist.
Die Route führte am Fluss entlang. Dort war ein streetfood Festival. Dennoch kehrten wir einem schönen Tapas Lokal ein – Tapas nas Costas. Hervorragendes Essen und bester Service. Insbesondere der Service war gut, als ich meinen Sangria nach zwei Mal daran nippen über den halben Tisch und meine Hose ausleerte. Wie das passieren konnte, ist mir noch immer unerklärlich. Beeindruckend zu sehen war jedoch, dass wir anstatt einer Kellnerin plötzlich drei engagierte Mitarbeiter um uns herum hatten, die wie beim Präsidentendinner in „Nackte Kannone 2 1/2“ in einer Minute den Boden mit einem Mopp reinigten, mir ein paar Trockentücher für die Hose in die Hand drückten, die mit Sangria gefüllten Speisenteller abräumten, die Sets austauschten, neu eindeckten, mir einen neuen Sangria brachten und nebenbei noch erwähnten, dass das schon mal vorkommen kann und ich mir nichts dabei zu denken brauche. Auch auf der Rechnung war nichts davon zu sehen. Ich gab dafür etwas mehr Trinkgeld. Zur Beruhigung der Gemüter gab es auf dem Rückweg noch ein Eis, obwohl jemand von uns schon einen baskischen Käsekuchen als Dessert bestellt und gegessen hatte.

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