Sonntag, 23. April 2023

San Sebastian und Bilbao

Der Donnerstag begann mit Ausschlafen. Das letzte Mal sozusagen, weil am Freitag musste ich bereits den entleerten Camper zurück geben. Ich ging noch einmal zum Strand.
Sogar morgens um zehn waren schon erste Surfer auf dem Wasser. Der Wind blies konstant. Ich war kurz davor, die Laufschuhe auszupacken, aber ohne Dusche brauchte ich damit nicht anzufangen. Ich war überrascht, dass San Sebastian oder Donostia in Landessprache von Birraritz noch recht weit weg ist - 90 Kilometer. Also fuhr ich los. Als mautvermeidender Schwabe dauerte es sehr lange, jedoch ist die Landschaft jedes Mal sehr sehenswert.
Angekommen in San Sebastian fuhr ich zur Altstadt vor. Und schon kamen die Schilder, die den Weg zur Tiefgarage wiesen, aber Achtung ein Camper ist hoch. 1,99 Meter sagte der Aufkleber neben dem Lenkrad. Ich lief vor zum Standstrand, instinktiv lief ich den Berg hoch zu Christusstatue.
Von dort aus hat man einem sagenhaften Blick über die ganze Bucht mit der Insel Santa Klara in der Mitte. Tapas bzw. hier Pintxos-Bars laden zum Verweilen ein. Große Gassen zeugen von den Stierkämpfen, welche auf diesem Platz aufgeführt wurden. Ich aß einen großen Thunfischsalat. Wirklich lecker. Auf der Hinfahrt erreichte mich die Nachricht, dass mein Flug für Freitag annuliert wurde. Der nächste geht erst am Montag. In der Folge hatte ich lange nach Alternativen gesucht. Weil das Wetter gut war, überlegte ich mit dem Zug über die Pyrenäen nach Barcelona zu fahren und von dort mit dem Flieger heim. Dorthin fliegen mehr Flugzeuge. Den zeitlich am ähnlichsten Flug bot die Lufthansa an. Über München nach Stuttgart. Doppelt so lange und doppelt so teuer, aber egal, den Mehrpreis muss sowieso Eurowings tragen, weil die mich versetzt hatten. Es beschäftigte mich lange und ich konnte mit dem Wissen (damals hatte ich noch keinen Ersatzflug) San Sebastian nicht mehr richtig genießen. In der Folge fuhr ich weiter. Es ging deutlich ins Hinterland, in die Berge. Es wird mir nachdrücklich in Erinnerung bleiben, wie ähnlich die Berggegenden zu unseren Alpen sind.
Nur der Häuserstil ist merklich anders. Durch Zufall hatte ich den Ort Loyola passiert, wo eine Basilika steht. Ein wirklich sehenswerter Stopp.
Dem Heiligen Ignatz geweiht, steht dort ein Kleinod inmitten von nichts bzw. Bergen. Ich ging rein. Drinnen lief über Lautsprecher ein Kirchenkonzert. Schön anzuhören, wenn da nicht das Quietschen meiner Schuhsohlen gewesen wäre. Die Gummisohlen machten die Anwesenden mit jedem Schritt auf mich aufmerksam. Ich machte schnell meine Bilder und ging wieder raus. Auf der Weiterfahrt fuhr ich in eine SB-Waschstation. Zwischenzeitlich hatte ich so viele Fliegen erlegt, dass ich für klare Sicht sorgen musste. Für einen Euro bekommt man hier richtig was fürs Geld. Warmes Hochdruckwasser für ca. zwei ein halb Minuten. Bei uns geht das immer ratzfatz und ist kalt. Bilbao empfing mich mit seinen Hochhäuser. Die Stadt war mir persönlich etwas zu groß. Deshalb suchte ich einen Stellplatz im Außenbereich. In Derio wurde ich fündig. Dort standen schon zahllose weitere spanische und französische Camper. Mal wieder gibt es nichts außer einer Entsorgungsstation, aber es kostet auch nichts. Von daher suchte ich mir ein Lokal und wurde fündig. Das Bar-Cafe Bido ritto hatte noch einen Platz. Einheimische schauten ein Fußballspiel. Groß war der Jubel als die eigene Mannschaft ein Tor schoss. Ich bestellte etwas zu essen. Es war schon neun Uhr. Da erst kamen die Spanier nach und nach ins Lokal.
Ich bestellte einen Wein dazu (1,8 Euro für ein Achtele) es war ein Rioja. Später bei dem Preis bestellte ich mir einen anderen Wein (2,3 Euro) – wieder ein Rioja. Ich musste feststellen, dass alle angebotenen Rotweine Riojas waren. Im Camper angekommen buchte ich dann den Rückflug. Vielleicht auch wegen des Weines schlief ich besonders gut, aber kurz, weil ich zur Abgabe musste. Das klappte auch wunderbar. Ich durfte mein Gepäck zwischenparken und bekam Tipps wie ich in die Altstadt von Bilbao komme. Die Züge fahren häufig und mit ca. zwei Euro auch sehr günstig. Der Bus zum Flughafen (drei Kilometer Fahrt kostet sogar nur 1,3 Euro). Laut Wettervorhersage sollte es 25 Grad warm werden. So war es auch, weshalb ich gut daran tat, ein T-Shirt mitzunehmen. Sobald man das Meer der Mehrfamilienhäuser durchdrungen hatte, konnte man die Hauptattraktion schon sehen. Das Guggenheim Museum in Bilbao.
In keinster Weise mit dem langweiligen Guggenheim in New York zu vergleichen (siehe Blogeintrag im Sommer 2013). Es gibt dort Kunst, so etwas hat man noch nicht gesehen. Ich war derart von den zeitgenössischen Ausstellungen ergriffen. Es fehlen einem die Worte, wenn man z.B. die Geschichte und Werke von Oscar Kokoschka sieht. Tief beeindruckt war ich auch von Richard Serras Kunstwerk The matter of time. Es ist Großkunst, die eine ganze Halle füllt. Er arbeitete elf Jahre daran bzw. ließ arbeiten.
Fünf Zentimeter dicke Stahlplatten, die vier Meter hoch sind und elegant geformt sind. Man kann durch laufen. Jede Oberfläche ist anders. Manche bereits leicht angerostet, was sehr interessant aussieht und gewollt ist. Noch größere Kunst würde ich Architektur nennen. Die Miro Ausstellung war ich im Prinzip nur noch durch gerannt. Ein großartiges Museum, das seines gleichen sucht. Besonders hübsch auch der Puppy aus Pflanzen im Außenbereich. Ich ging zurück zur Bahnstation, holte meinen Koffer ab und wartete auf den Bus zum Flughafen. Ein Holländer sah meinen Koffer und meinte, dass ich sehr knapp hierher gekommen sei. Der Bus wäre normalerweise bereits gefahren. Ich zeigte auf die Zahl 50 auf dem Fahrplan. Er meinte, dass sich die jedoch auf die Ankunft am Flughafen bezöge. Am Flughafen angekommen, hatte ich vergessen, mein Besteckset (Messer, Gabel, Löffel) aus dem Handgepäck zu nehmen. Als Camper hat man so etwas halt dabei. Der Sicherheitsmensch war so freundlich und sprach mich nach dem Röntgen des Rucksacks darauf an. Ich war peinlich berührt. Er nahm es in die Hand, fühlte die gezackte Klinge ab und meinte: nimm's mit, das ist ungefährlich. Leider musste ich feststellen, dass der Lufthansaflug ebenfalls eine Stunde verspätet war. Das verkürzte die Umsteigezeit, was im Ergebnis aber egal war. Pünktlich kam ich zu Hause an.

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