Sonntag, 20. August 2017

Seemannschaft und andere Dinge

Vier verschiedene Charaktere prägen den Alltag auf dem Boot. Doch in der Rückblende betrachtet werde immer alle Argumente abgewogen und eine von allen als richtig empfundene Entscheidung getroffen. Ich persönlich hätte öfter motort, aber dann hätten wir die hervoragenden Segelwinde, z.B. Mistral nicht wahr genommen. Das Baden am Mittag war immer sehr lohnenswert. Auch die Aufgabenverteilung verlief reibungslos. Wir waren immer mit Spaß bei der Sache. Gerade als die Spaghetii gekocht wurden schaute ein Crewmitglied auf das Glas mit der gekauften Bolognese. Sie enthielt sagenhafte 3,5g Fleisch auf 100g Soße. Dasselbe Mitglied meinte daraufhin: Das ess‘ ich an einem Tag mehr Fliegen. Zwar fehlte gelegentlich das Flair der Cote d’azur, aber die Voraussetzungen für einen Megasommerurlaub waren alle gegeben. Am letzten Tag ließen wir es uns nochmal richtig gut gehen. Nach dem Tanken des Schiffs legten wir im Heimathafen der Grey Pearl an. Als ob man uns erwartet hätte, sprangen gleich zwei Hafenbedienstete auf den Steg und nahmen die Festmacherleinen entgegen, erkundigten sich, ob alles in Ordnung sei und zogen wieder von dannen. Der Service in der Marina Betina kann mit berühmten Häfen der Cote d’azur mithalten! Nach dem Anlegen riefen wir den Mann von der Agentur an. Er sagte, dass er in ca. zwei Stunden da sein wird. Die Wartezeit nutzen wir, um in der Stadt ein Eis zu essen. Nachdem check-out kehrten wir zum Abendessen bei Mareta am Hafen von Murter ein. Das Restaurant kannten wir bereits vom ersten Abend. Als wir gegen zehn am Boot waren gab es zum Abschluss noch eine Bio-Zigarre. Ja wirklich, das gibt es aus Kuba. Die wurden sogar CO2-neutral mit dem Pferd abgeholt (zumindest bis zum Flughafen), weil die Fabrik dort mit dem Auto nicht erreichbar ist. Ich empfand die Kornaten als ein tolles Segelrevier, weil es viele kleine Abschnitte und Inseln gibt., die vor Wind schützen und das Navigieren erleichtern. Auf fast jeder Insel sahen wir drei bis zehn Schafe rumlaufen. Der zweite Kroatienbesuch war ein einziger Superlativ. Die Sonne hat zu jeder Tageszeit die Landschaft geradezu inszeniert und der berechenbare, konstante Wind, das klare Wasser und der Sternenhimmel taten ihr Übriges. Europa steht auf! Insbesondere die Osteuropäer entdecken den wachsenden Wohlstand. Aus meiner Sicht muss es sich anfühlen wie im Deutschland der 60er Jahre. Der jahrzehntelange Verzicht und die Gleichheit in der Sowjetzeit scheinen vergessen. Ich verstehe jetzt ein bisschen besser, dass man jetzt erst mal nach sich selbst sehen will, bevor man sich um Probleme Dritter kümmern möchte.

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